Kaffeelandschaft Kolumbien

Kaffeeanbau in Kolumbien

Kolumbien ist einer der größten Kaffeeproduzenten weltweit und lag viele Jahre hinter Brasilien auf Platz 2.  Aktuell steht Kolumbien mit einer Erntemenge von 560.000 Tonnen im Jahr 2021 auf Platz 4 im weltweiten Vergleich. Um die Erfolgsgeschichte Kolumbiens mit dem Kaffee zu verstehen, wollen wir uns den Kaffee-Anbau in Kolumbien einmal genauer anschauen.

Folgende Themen werden wir dazu näher beleuchten:

  1. Welche Anbaubedingungen benötigt Kaffee grundsätzlich?
  2. Kaffee-Anbau in Kolumbien: Ideale Voraussetzungen?
  3. Wo wird in Kolumbien Kaffee angebaut?
  4. Welche Kaffee-Anbaugebiete gibt es in Kolumbien und wie unterscheiden sie sich?
  5. Kaffee-Anbau in Kolumbien: Tradition & Kultur

 

Welche Anbaubedingungen benötigt Kaffee grundsätzlich?

Ein entscheidendes Kriterium für den Kaffee Anbau ist die ideale Höhenlage. Arabica Kaffee wächst in Höhen zwischen 900 und 2.300 m.ü.M. (Meter über dem Meeresspiegel). Robusta Kaffee auf 200-900 m.ü.M.

Die Anbauhöhe wirkt sich dabei auf das Aroma aus. Denn je höher der Kaffee steht, desto länger benötigt er zum Wachsen. Dadurch, dass der Kaffee mehr Zeit hat zu reifen, entwickelt sich mehr Aroma, ähnlich einer guten Bolognese. Daher gilt Arabica Kaffee weltweit als Qualitätsmerkmal und macht etwa 60 % der globalen Produktion aus.

Ein zweites wichtiges Kriterium ist der Boden. Die Kaffeepflanze benötigt nährstoffreiche und „saure“ Böden. Der PH-Wert sollte zwischen 5 & 6 liegen. Grundsätzlich hilft ein hohes natürliches Vorkommen an Mineralstoffen wie Kalzium, Magnesium, Phosphor und Natrium. Kaffee wächst deshalb besonders gut auf vulkanischen Böden, da diese reich an Nährstoffen und zudem sauer sind. Beides kommt der Kaffeepflanze zugute.

Der nächste wichtige Faktor ist das Klima. Die sensiblen Kaffeepflanzen gedeihen nur in einem milden Klima, das ganzjährig möglichst gleichmäßig ist, und zwar Tag & Nacht. Zudem wird eine gute Mischung aus ausreichend Sonneneinstrahlung und Schatten benötigt. Fünf Stunden Sonneneinstrahlung täglich sind ideal. Kaffeepflanzen werden daher traditionell in tropischen Wäldern angebaut.

Kaffee im Kaffeewald Kolumbien

Alle Pflanzen und Lebewesen im Ökosystem unterstützen sich dann gegenseitig bei der Bekämpfung von Schädlingen. Neue Züchtungen können jedoch auch ohne Schattenbäume in der Sonne angepflanzt werden, was der industriellen Massenproduktion in geordneten Reihen zugutekommt. Das ganze oft auf Kosten der biologischen Vielfalt und der tropischen Wälder die zur Flächengewinnung abgeholzt werden.

Arabica Kaffee gedeiht bei Temperaturen zwischen 18-22 °C, Robusta Kaffee ist toleranter mit 20-30 °C. Daher kann dieser auch im Flachland kultiviert werden, wie beispielsweise auf den riesigen Plantagen in Brasilien.

Wichtig ist außerdem die Niederschlagsmenge. Als optimale Menge gelten 1.500 – 2.500 Liter pro Quadratmeter im Jahr. Zum Vergleich: Das als verregnet geltende Hamburg kommt in den letzten Jahren auf etwa 700 Liter pro Quadratmeter jährlichen Niederschlag.

Kaffee-Anbau in Kolumbien: Ideale Voraussetzungen?

Schauen wir uns zunächst die Landschaft in Kolumbien genauer an, im Anschluss das Klima. Kolumbien ist ein sehr diverses Land, für seine kleine Fläche. Es gibt karibische Sandstände, hohe und sogar teils schneebedeckte Gipfel, Dschungel und Wüste.

Der zentrale und westliche Teil des Landes wird hauptsächlich von den Anden geprägt. 3 Gebirgsketten durchziehen das Land von Norden nach Süden, sogenannte „Cordilleras“:

  • die westliche Gebirgskette „cordillera occidental“
  • die zentrale Gebirgskette „cordillera central“
  • die östliche Gebirgskette „cordillera oriental“

    Diese Cordilleras sind an den höchsten Gipfeln fast 6.000 m hoch. Der höchste Punkt ist der Pico Christobal Colón zusammen mit dem Pico Simón Bolívar welche auf einer Höhe von 5.775 thronen. Beide Gipfel liegen im Gebirgsmassiv „Sierra Nevada“ (schneebedecktes Gebirge). Dieses Gebirge ist Teil der „Cordillera central“ und die hohen Gipfel liegen nur ca. 45 km entfernt von den karibischen Stränden der Stadt Santa Marta. Es ist damit das höchste Küstennahe Gebirge der Welt.

    In den Hochgebirgen entlang der Cordilleras befinden sich viele Vulkane, von denen einige sogar aktiv sind:

    • Galeras (4.276 m)
    • Nevado del Huila (5.364 m)
    • Nevado del Ruiz (5.321 m)
    • Puracé, Nevado del Tolima (5.215 m)
    • Nevado de Santa Isabel (4965 m)

    Hier kommen also gleich zwei wichtige Faktoren zusammen:

    Berglandschaft Kolumbien

    Höhenzüge und Vulkane, welche die Böden der Gebirgsketten mit wichtigen Nährstoffen angereichert haben. Es gibt also hoch gelegenes, sehr fruchtbares Land.

    Wenn jetzt noch das Wetter mitspielen würde..

    Kolumbien befindet sich, wie alle Kaffee-Anbauländer, in der tropischen Zone in Äquator Nähe. Diese Zone wird auch als Kaffeegürtel bezeichnet.

    Durch die Lage am Äquator, herrscht ein ganzjährig mildes und tropisches Klima mit genug Sonne und Feuchtigkeit. Vom Pazifik kommende Wolken regnen sich in den Anden ab und sorgen für Niederschlagsmengen von teilweise bis zu 3.000 Litern pro Quadratmeter. Die Temperatur im Andengürtel liegt zwischen 17-24 °C je nach Region und Höhenlage. Die Temperaturen sind das ganze Jahr über gleichmäßig und auch über den Tag verteilt stabil.

    Ideale klimatische Bedingungen für den Kaffee Anbau.

    Insgesamt bilden die Andengürtel in Kolumbien somit perfekte Bedingungen für den Anbau von kolumbianischem Kaffee. Dieser wiederum ist qualitativ hochwertig und reich an Aromen, dank der guten Voraussetzungen. Daher sind Kolumbien und Kaffee ein starkes Team.

    Die guten Rahmenbedingungen in der Andenregion ermöglichen die artgerechte Pflege einer Kaffeepflanze. Durch regelmäßigen Niederschlag muss nicht von Hand gegossen werden. Beim Anbau in einem Ökosystem gibt es genug Abwechslung von Licht und Schatten und die Nährstoffversorgung wird verbessert. 

    Wo wird in Kolumbien Kaffee angebaut?

    Die Antwort: Im ganzen Land auf den Höhenzügen der Anden. Dadurch, dass Kolumbien gleich von 3 Gebirgsketten durchzogen wird, gibt es nicht nur ein Kaffeeanbaugebiet. Viele Landstriche überall im Landesinneren und sogar an der Küste vor Santa Marta eignen sich für den Kaffeeanbau.

    Welche Kaffee-Anbaugebiete gibt es in Kolumbien und wie unterscheiden sie sich?

    Kaffee wird in Kolumbien in Höhenlagen von 1.200 – 2.000 m.ü.M. angebaut. Daher decken sich die Anbaugebiete mit der Lage der 3 Gebirgsketten der Anden, die Kolumbien von Norden nach Süden durchziehen.

    Die Farbgebung auf der Karte gibt einen groben Überblick, über die verschiedenen Anbaugebiete. Die Farbliche Unterscheidung wird hier in Abhängigkeit zur Erntezeit getroffen.

    Die wesentlichen Unterschiede der verschiedenen Anbaugebiete in Kolumbien werden durch die Geografie bestimmt. Auch wenn alle Anbaugebiete in den 3 Gebirgsketten der Anden liegen und, global betrachtet, auch in der gleichen Klimazone um den Äquator, gibt es wesentliche Unterschiede, sogar beim Klima.

    Wie kommt das zustande?

    Zunächst einmal ist das Terrain an sich ein Faktor. Es gibt Gebiete, die sehr zerklüftet sind und die nur aus Steilhängen und kleinen Tälern bestehen. Andere Gebiete besitzen auch flaches Land, was die Ernte erleichtert. Dies ist in dem Andenstaat Kolumbien jedoch eher die Ausnahme.

    Die unterschiedlichen Höhenlagen beeinflussen das Klima. Die Cordilleras sind nicht uniform und es gibt teils sehr hoch gelegene Anbaugebiete um die 2.000 m.ü.M. und auch niedrig gelegenere Anbaugebiete um die 1.200 m.ü.M. Dadurch schwankt die Temperatur in den verschiedenen Anbaugebieten, was sich auf die Schnelligkeit des Wachstums der Kaffeekirschen auswirkt.

    Das wirkt sich auf die Anzahl der möglichen Ernten aus und tatsächlich wird auch der Geschmack beeinflusst. Wenn dich die Auswirkung der Anbaugebiete auf den Geschmack interessiert, kannst du hier mehr dazu erfahren.

    Auch Niederschlag und Sonnenstunden unterscheiden sich in den verschiedenen Anbaugebieten sowohl in der Menge als auch zeitlich. Diese Faktoren beeinflussen hauptsächlich wann geerntet wird und sie beeinflussen mit, wie viele Ernten im Jahr es gibt. Kaffee kann in den verschiedenen Anbaugebieten in Kolumbien fast das ganze Jahr über geerntet werden. In einigen Gebieten gibt es nur eine Ernte, in anderen gibt es sogar zwei Ernten pro Jahr.  Hier kannst du mehr zum Thema Kaffeeernte in Kolumbien erfahren.

     

    Kaffee-Anbau in Kolumbien: Tradition & Kultur

    Kolumbien ist eines der traditionsreichsten Anbauländer für Kaffee. Der Kaffee, der ursprünglich aus Äthiopien stammt, wurde dort im 1.700 Jahrhundert das erste Mal kultiviert.

    Der Legende nach wurde der Kaffee rund um das Jahr 1.700 von den Jesuiten nach Kolumbien gebracht. Zunächst fand die neue Kaffeepflanze bei den Farmern keinen Großen Zuspruch. Denn vom Setzen des Samens bis zur ersten Ernte, dauert es etwa 3 Jahre ohne jegliche Erträge. Mehr zum Lebenszyklus der Kaffeepflanze und zur Pflege der Kaffeepflanze kannst du hier erfahren.

    Eine starke Verbreitung hatte die Kaffeepflanze einem Geistlichen zu verdanken. Dieser ließ in seiner Gemeinde Kaffeepflanzen als Sündenerlass anbauen, alternativ zu den europäischen „Ablassbriefen“. Was zögerlich begann führte über die Zeit zu einem Boom, als die Menschen die wirtschaftlichen Vorteile des Kaffee-Anbaus erkannten. 

    Kaffeeproduktion Kolumbien Hochgebirge bergiges Terrain

    Durch die lange Geschichte mit dem Kaffee, hat sich in Kolumbien eine Kultur rund um das Thema Kaffee aufgebaut.

    Kaffee gehört hier zum nationalen Stolz und das zurecht. Denn in Kolumbien legen die Kaffeebauern traditionell viel Wert auf Qualität. Im Gegensatz zu vielen anderen Anbauländern wird Kaffee hier zum Großteil von vielen Kleinbauern kultiviert und nicht von riesigen Plantagen und Konzernen.

    Dazu kommt, dass die Lage der sogenannten Kaffee-Fincas inmitten der bergigen Anden industrielle Ernteverfahren in der Regel nicht zulässt. Dadurch kommen zwangsläufig qualitativ bessere Verfahren in Handarbeit zum Einsatz.

    Insgesamt steht die Marke „Coffee-Made-in-Colombia“ daher für beste Qualität.

    Das bekannteste Anbaugebiet in Kolumbien ist zugleich auch das kulturelle Epi-Zentrum für Kaffee: Die Kaffeezone, in Kolumbien alseje-cafetero bezeichnet. Das bedeutet übersetzt Kaffee-Achse. Der Name kommt daher, dass hier in der Geschichte trotz der geringen Größe des Gebietes ein Großteil der Kaffeeproduktion in Kolumbien erwirtschaftet wurde.

     

    Paisaje cultural cafeteroSalento Kolumbien bunte Häuser im Eje Cafetero

    Das Gebiet wurde sogar von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Dort gibt es die sogenannte „Paisaje cultural cafetero“, was so viel wie kulturelle Kaffee-Landschaft heißt. Diese besteht aus vielen Fincas inmitten spektakulär schöner Landschaften mit Kaffeeplantagen inmitten der bergigen Anden. Zwischen den grünen Gipfeln verstecken sich bunte kleine Dörfer, wie zum Beispiel Salento.

    Findest du kolumbianischen Kaffee auch so faszinierend wie wir? Was spricht dagegen, ihn einmal auszuprobieren, in seiner reinsten Form? Direkt gehandelt von einem Farmer deines Vertrauens. Schau dich um!

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    Über den Autor

    Jannick Klein: Co-Founder Welttisch

    Jannick ist offiziell selbst Kaffee-Farmer seit Anfang 2023. Durch den Anbau auf der eigenen Farm und die täglichen Erfahrungen auf dem Land mit dem Kaffeeanbau und vor allem mit den Menschen die diesen betreiben, hat sich eine Leidenschaft entwickelt. In Zusammenarbeit mit erfahrenen Farmern und Agronomen in der Region hat er seit den Anfängen viel gelernt über:

    verschiedene Kaffeeanbaumethoden und deren Einfluss auf die ökologischen Aspekte.

    Qualitative Unterschiede der verschiedenen Ernte- und Aufbereitungsmethoden

    Wichtige soziale Aspekte im Ursprungsland für die Landbevölkerung.

    "Es gibt viele spannende Dinge, die die Kaffeekonsumenten normalerweise nicht wissen und die wir hier mit ihnen teilen möchten."